Veränderung im Tor des VfL Oldenburg: Abschied von Alexandra Humpert – Lilly Janßen rückt nach

Beim VfL Oldenburg steht im Tor ein personeller Umbruch bevor. Zur Saison 2026/27 wird der Bundesligist mit einem neuen Torhüterinnen-Duo antreten: Neben Madita Kohorst wird dann die junge Lilly Janßen zwischen den Pfosten stehen. Sie folgt auf Alexandra Humpert, deren auslaufender Vertrag im Sommer nicht verlängert wird.

Alexandra Humpert: Abschied nach intensiven Jahren

„Einerseits ist es natürlich schade, diesen Verein zu verlassen“, sagt Alexandra Humpert offen: „Hier beim VfL habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und enge Freundschaften geschlossen. Andererseits ist es ein wichtiger Schritt für meine persönliche und sportliche Entwicklung.“ Seit 2023 trug die Torhüterin das Trikot der Huntestädterinnen, sammelte ihre ersten Erfahrungen in der 1. Bundesliga und entwickelte sich Schritt für Schritt weiter.

Dabei musste sie aber auch einen großen Rückschlag verkraften. Im Oktober 2024 zog sich Humpert im Heimspiel gegen HB Ludwigsburg einen Kreuzbandriss zu – die schwerste Verletzung ihrer bisherigen Karriere. „Der Weg zurück aufs Feld war herausfordernd“, sagt sie rückblickend. „Aber ich habe in dieser Zeit auch viel über mich selbst gelernt.“ Besonders die Unterstützung innerhalb des Vereins habe ihr geholfen: „Ich habe mich jederzeit gut aufgehoben gefühlt, sowohl während der Reha als auch im täglichen Training.“

Trotz der langen Ausfallzeit erlebte Alexandra Humpert mehrere Höhepunkte mit: den dritten Platz beim Final4 2024, Einsätzen in der European League und ihr erstes Bundesligaspiel in der EWE Arena zählen für sie zu den Highlights. „Das sind Erinnerungen, die bleiben“, sagt die 23-Jährige. Auch sportlich blickt sie selbstbewusst nach vorn: „Nach meiner Verletzung bin ich wieder vollständig fit und möchte nun Spielpraxis sammeln und mehr Verantwortung übernehmen.“

Bis zum Saisonende gilt ihr Fokus jedoch ganz dem VfL Oldenburg. „Ich möchte jede Gelegenheit auf dem Feld optimal nutzen und die verbleibende Zeit hier genießen“, betont Humpert. Die Ziele sind ambitioniert: „Wir wollen in der Liga unter die Top vier kommen und in der European League so weit wie möglich gehen. In dieser Mannschaft ist noch einiges möglich.“

Geschäftsführer Andreas Lampe unterstreicht, dass die Entscheidung nicht gegen Humpert gerichtet sei. „Alex ist ein absoluter Vollprofi, gibt immer alles für das Team und ist ein absoluter Teamplayer“, sagt Lampe. „Sie hat nach ihrem Kreuzbandriss eine super Entwicklung genommen, damit sind wir sehr zufrieden.“

Gleichzeitig habe man sich bewusst für einen anderen Weg entschieden: „Wir haben uns entschlossen, mit Lilly Janßen in die Zukunft zu gehen und ein junges Talent in die Bundesliga zu bringen.“ Der VfL wolle weiterhin auf Nachwuchsspielerinnen aus Niedersachsen setzen. „Wir setzen damit unsere Philosophie fort.“

Lilly Janßen: Vom Juniorteam ins Bundesliga-Tor

Lilly Janßen ist erst 18 Jahre alt, doch ihre Vita liest sich bereits beeindruckend. Aktuell spielt sie in der A-Jugend und im Juniorteam des VfL Oldenburg in der 3. Liga, zuvor sammelte sie beim Thüringer HC Erfahrungen auf höchstem Niveau. Krönung ihres bisherigen Werdegangs: der Gewinn der U19-Europameisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft im Sommer.

Der Weg dorthin begann früh. Schon im Kindergarten war Janßen sportlich geprägt. Ihr Vater spielte Fußball, ihre Mutter Handball – und auch sie selbst probierte zunächst vieles aus. „In der Jugend habe ich verschiedene Sportarten gemacht. Irgendwann musste man sich dann festlegen.“ Die Entscheidung fiel zugunsten des Handballs – spätestens mit der Berufung in die Landesauswahl. „Da habe ich gemerkt, dass ich etwas erreichen möchte und den Fokus voll auf den Handball gelegt.“

Eine weise Entscheidung: Mit der ersten Einladung zur U16-Nationalmannschaft folgte auch der Entschluss für den Wechsel zum Thüringer HC. „Das war der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, Schule und Sport miteinander zu verbinden“, sagt Janßen. Mit 15 Jahren zog sie ins Internat nach Thüringen. „Ich bin sehr früh von zu Hause ausgezogen und habe dort meine letzten Schuljahre verbracht.“ Die Zeit sei intensiv gewesen – sportlich wie persönlich. „Es war schon sehr viel Sport, fast immer zweimal Training am Tag, dazu Schule. Man wächst dort extrem zusammen.“

Sportlich zahlte sich der Schritt aus. Janßen sammelte Einsätze, entwickelte sich weiter und sammelte erste internationale Erfahrungen. „Gegen Polen meine ersten U16-Länderspiele zu absolvieren, war ein riesiges Erlebnis. Das war für mich eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ In diesem Sommer war Janßen dann Teil der Deutschen U19-Nationalmannschaft beim Gewinn der EM-Goldmedaille.

E Ein weiterer prägender Moment war ihre Zeit beim Thüringer HC, inklusive Erfahrungen in der Bundesliga und European League. Ihr internationales Vereins-Debüt gab Janßen beim Auswärtsspiel im spanischen Elche – als Keeperin Dinah Eckerle ausfiel. „Ich wurde einen Tag vor dem Hinspiel angerufen, dass ich mit nach Spanien fliege.“ Für die junge Torhüterin war das eine besondere Erfahrung. „Mit einem Team zu reisen, das später auch die European League gewonnen hat, war eine riesige Ehre.“ Im Rückspiel gegen Elche durfte sie sogar längere Zeit auf dem Feld stehen. „Ich habe etwa 20 Minuten gespielt und eine ganz ordentliche Leistung gezeigt“, blickt sie zurück.

Nach dieser intensiven Phase entschied sich Janßen bewusst für die Rückkehr in die Heimat. „Ich war weit weg von meiner Familie“, sagt sie. „Deshalb habe ich mich entschieden, nach Oldenburg zurückzukommen.“ Seit dem Sommer spielt sie nun in der A-Jugend und im Juniorteam des VfL Oldenburg. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Nun folgt im Sommer der nächste Schritt in den Bundesliga-Kader. „Ich lasse das erst einmal auf mich zukommen“, sagt die 18-Jährige: „Natürlich möchte ich mich persönlich weiterentwickeln, taktisch und spielerisch dazulernen und der Mannschaft helfen. Mein Ziel ist es, mich bestmöglich in die Mannschaft zu integrieren und meinen Beitrag zum Teamerfolg zu leisten.“

Beim VfL ist man überzeugt, dass Janßen diesen Weg gehen kann. „Sie hat uns in der 3. Liga und im Torwarttraining absolut überzeugt“, sagt Geschäftsführer Andreas Lampe. „Durch ihren U-Nationalmannschaftsstatus ist sie eine sehr interessante Spielerin.“ Besonders die Zusammenarbeit mit Madita Kohorst sieht er als großen Vorteil: „Sie sind ähnliche Spielertypen. Lilly kann sehr viel von Madita lernen – und wir sind sicher, dass sie ihre Leistung auch in der Bundesliga zeigen wird.“