Jung, ehrgeizig, torgefährlich: VfL verpflichtet Julika Birnkammer

Als Ende November das Telefon klingelte, musste Julika Birnkammer zweimal hinschauen. „Ich war schon überrascht über den Anruf. Ich habe mich aber sehr gefreut“, erinnert sich die 21-Jährige. Am anderen Ende der Leitung: Geschäftsführer Andreas Lampe vom VfL Oldenburg. Wenige Wochen später folgte das Probetraining in Oldenburg – und nun steht fest: Die Rückraumspielerin wechselt im Sommer vom Zweitligisten ESV 1927 Regensburg an die Hunte.

Für Birnkammer ist es der nächste große Schritt – und die Erfüllung eines Kindheitstraums. „In der Bundesliga zu spielen, war schon immer mein Traum. Beruflich wusste ich früher nicht wirklich, was ich werden wollte. Deshalb habe ich immer gesagt, dass ich später einmal Handballerin werden möchte. Dass das jetzt so klappt, ist natürlich unglaublich.“

Torgefahr aus dem rechten Rückraum

Sportlich bringt die gebürtige Bayerin beste Referenzen mit. In 19 Zweitliga-Partien erzielte sie in dieser Saison 95 Treffer und führt damit die Feldtorschützinnenliste im Unterhaus an. Beim 36:33-Erfolg gegen den Bundesliga-Absteiger TSV Bayer 04 Leverkusen war sie mit neun Toren die prägende Offensivkraft. Ende Januar wurde sie nach neun Treffern, fünf Assists und drei Steals beim Rostocker HC jüngst erst zur Spielerin der Woche in der 2. Bundesliga gewählt.Nun wagt die 21-Jährige den Sprung ins Oberhaus. „Das Probetraining hat mir sehr gut gefallen. Ich sehe es hier in Oldenburg als sehr coole Möglichkeit, den Schritt in die erste Liga zu machen. Ich freue mich auf die Aufgabe und habe unglaublich viel Bock darauf“, sagt Birnkammer. Seit dem ersten Kontakt sei sie „mit Andreas Lampe im ständigen Austausch“ gewesen.

Beim VfL sieht man in der Linkshänderin genau das Profil, das in den vergangenen Jahren mehrfach eingeschlagen hat. „Julika ist ein typischer ,VfL-Oldenburg-Transfer‘ der vergangenen Jahre“, erklärt Geschäftsführer Andreas Lampe. „Sie ist uns mit ihren Leistungen in der 2. Bundesliga aufgefallen, wo wir sie schon länger beobachten.“ Im Probetraining habe sie „absolut überzeugt“. Oldenburg setzt damit seinen eingeschlagenen Weg fort. „Wir freuen uns, wieder einer jungen deutschen Spielerin aus der 2. Bundesliga die Chance geben zu können, sich in der 1. Bundesliga zu beweisen“, so Lampe. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Emma Bächtiger habe man auf der Position Handlungsbedarf gesehen. „Wir sind sehr froh, dass Julika den Weg in den Norden findet und die Entfernung für sie am Ende keine Rolle gespielt hat, sondern sie sich wohlgefühlt hat.“

Handball im Blut

Begonnen hat Birnkammer ihre Handball-Karriere im Heimatort Mering. „Ich bin durch meine beiden älteren Schwestern zum Handball gekommen. Sie haben beide schon gespielt, dadurch war ich immer wieder beim Training. Mit fünf Jahren habe ich dann selbst auch angefangen“, erzählt Birnkammer. Es folgten Stationen beim TSV Schwabmünchen, später mit Doppelspielrecht beim TSV Haunstetten in der 3. Liga. 2024 wechselte sie nach Regensburg in die 2. Bundesliga. Zu ihren bisherigen Highlights zählt sie neben ihrem ersten Zweitliga-Vertrag und -einsatz auch die Teilnahme an der U20-Weltmeisterschaft 2024 in Nordmazedonien – zusammen mit den beiden aktuellen Oldenburgerinnen Lotta Röpcke und Ariane Pfundstein im Team. „Das war ein sehr cooles Highlight“, sagt sie.

Der Wechsel nach Oldenburg ist jedoch nicht nur sportlich ein Schritt. „Der Umzug war für mich schon ein großes Thema. Das bedeutet für mich, das Leben, das ich mir hier in Regensburg aufgebaut habe, und auch mein Zuhause aufzugeben und noch einmal ganz neu anzufangen“, sagt Birnkammer offen. Sie habe lange darüber nachgedacht und „großen Respekt vor dem Schritt“. Ausschlaggebend sei letztlich „diese riesige sportliche Chance“ gewesen: „Und die wollte ich unbedingt nutzen.“

Oldenburger Philosophie

VfL-Geschäftsführer Lampe sieht darin auch ein Zeichen für die Strahlkraft des Vereins: „Mit Lilly Janssen und Julika kehren wir wieder ein wenig zu den Tugenden des VfL zurück und setzen auf junge deutsche Spielerinnen. Wir werden das konsequent weiterverfolgen.“ Oldenburg verstehe sich als Ausbildungsverein. „Ich glaube, wir sind im deutschen Handball die beste Adresse für junge Talente, um sich auf ein Top-Niveau zu entwickeln. Das wollen wir so weiterführen.“

Auch Birnkammer soll aus der treffsicheren Zweitliga-Topscorerin in Oldenburg zu einer gestandenen Bundesligaspielerin reifen. „Im Probetraining hat man sofort gemerkt, dass es im Angriff eine ganz andere Intensität und deutlich körperlicher ist“, sagt sie. Ihr Ziel sei es, sich „so gut wie möglich in der Bundesliga zurechtzufinden, mich mit möglichst wenig Druck reinzuarbeiten und mich gut ins Team zu integrieren. Wenn das klappt, dann wird der Rest von ganz alleine kommen.“