Der VfL Oldenburg hat dem Druck standgehalten – und sich ein echtes Endspiel um das Viertelfinale der European League erkämpft. Mit 29:28 (16:9) setzte sich das Team von Trainer Niels Bötel auswärts bei HC Lokomotiva Zagreb durch und bewahrte damit die Chance auf den Einzug in die K.o.-Runde.
Schon vor dem Anpfiff hatte Bötel die besondere Bedeutung der Partie betont. „Wir wollen ins Spiel reingehen, mit dem Ziel, zu gewinnen. Es hat schon ein wenig etwas von einem ersten K.o.-Spiel, dass wir unbedingt den Sieg benötigen, um noch die Chance zu haben, eine Runde weiterzukommen“, hatte der Coach gesagt – und seine Mannschaft lieferte.
Die Anfangsphase verlief noch holprig. Einige Abschlüsse fanden nicht den Weg ins Ziel, auch vom Siebenmeterpunkt ließ Oldenburg zunächst Chancen liegen. Doch in der Defensive entwickelte der VfL früh jene Stabilität, die Bötel schon im Vorfeld eingefordert hatte. Mit zunehmender Spieldauer übernahm Oldenburg die Kontrolle. Angeführt von einer starken Marie Steffen und einer treffsicheren Lisa Borutta erspielten sich die Gäste Vorteile. Hinter einer kompakten Deckung wuchs Torhüterin Madita Kohorst über sich hinaus. 19 Paraden standen am Ende auf ihrem Konto – immer wieder leitete sie mit präzisen Pässen die nächste Angriffswelle ein. Aus einer knappen Führung wurde bis zur Pause ein komfortables Polster. Beim 16:9 zur Halbzeit hatten die Huntestädterinnen das Spiel fest im Griff. Geduld im Positionsangriff, konsequente Abschlüsse und hohe Disziplin gegen den Ball – vieles von dem, was Bötel gefordert hatte, setzte seine Mannschaft um. „Wir dürfen der Zagreber Torhüterin nicht wieder dabei helfen, mehr als 50 Prozent abgewehrte Bälle zu ermöglichen, müssen im Angriff geduldig bleiben“, hatte er gewarnt. Diesmal ließ sich Oldenburg nicht aus der Ruhe bringen.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb der VfL zunächst tonangebend. Zwischenzeitlich wuchs der Vorsprung wieder auf sieben Treffer an (21:14). Doch Zagreb stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Mit zunehmender Spielzeit wurde die Partie hitziger, Zeitstrafen brachten Unruhe in den Oldenburger Rhythmus. Die Gastgeberinnen verkürzten Schritt für Schritt. Beim 24:26 und später beim 26:28 war die Begegnung wieder völlig offen. Eine Rote Karte gegen Toni Reinemann verschärfte die Situation zusätzlich – die ohnehin schon dünne Decke im Rückraum wurde noch einmal dünner. Doch: In dieser Phase zeigte sich, dass der VfL die Lektionen der vergangenen Wochen verinnerlicht hatte. Selbst als der Vorsprung schmolz, bewahrte die Bötel-Sieben die Nerven. Ein wichtiges Tor von Steffen zum 28:25 und ein weiterer Treffer von Borutta zum 29:26 verschafften etwas Luft, ehe Zagreb in der Schlussminute noch einmal verkürzte.
Mit dem Erfolg rückten die Huntestädterinnen in der Tabelle der Vorrundengruppe C auf Rang drei vor (4 Punkte). Die Ausgangslage bleibt dennoch kompliziert. Weil der direkte Vergleich mit Zagreb verloren ging, ist Oldenburg am letzten Vorrundenspieltag auf Schützenhilfe von Tabellenführer CS Rapid Bukarest angewiesen. So braucht der VfL nicht nur einen Sieg in Buxtehude gegen Tertnes Bergen, sondern auch einen Sieg der Rumäninnen gegen Zagreb. Zuvor ist der VfL Oldenburg aber noch in der Handball-Bundesliga gefordert. Am Mittwoch, 18. Februar, 19.30 Uhr,
HC Lokomotive Zagreb – VfL Oldenburg 28:29 (9:16)
VfL: Kohorst, Humpert – Borutta (7), Steffen (5), Teiken (4), Reinemann (3), Behrend (3), Granicka (2), Golla (2), Martens (1), Pfundstein (1), Fragge (1), Oetjen, Korsten
