Der VfL Oldenburg nimmt Stellung zur diesjährigen Vergabe des Jugendzertifikats durch die Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) und zur Ablehnung der eingereichten Beschwerde gegen die Entscheidungsfindung.
Es ist Februar, der VfL beendet die Gruppenphase der European League und in der Geschäftsstelle stellen Andreas Lampe und sein Team die Weichen für die neue Saison. Etat- und Kaderplanung sind in vollem Gange und sportlich läuft es sowohl für die 1. Damen als auch für die Teams der VfL Oldenburg Talents (Juniorteam 3. Liga, A-&B-Jugend Bundesliga) super.
Mitten in dieser sportlich und strukturell positiven Phase erreicht Lampe die Nachricht, dass dem VfL Oldenburg das Jugendzertifikat für die laufende Saison seitens der HBF nicht verliehen wird – verbunden mit einer Strafzahlung in Höhe von 12.000 Euro. Andreas Lampe legt Einspruch ein, dieser wird abgewiesen.
Aus Sicht des Vereins entspricht die Begründung für die Nichtvergabe des Zertifikats nicht den tatsächlichen Gegebenheiten der Oldenburger Nachwuchsarbeit. Geschäftsführer, Vorstandsmitglied der HBF und Trainer des Juniorteams Andreas Lampe erklärt dazu: „Die Begründung war und ist ein Witz. Wir machen hier seit Jahren eine super Jugendarbeit. Statt diese zu honorieren, müssen wir jetzt sogar eine Strafe zahlen“.
Das Jugendzertifikat dient als ligaübergreifendes Qualitätssiegel zur Bewertung der strukturellen Rahmenbedingungen in der Nachwuchsarbeit. Grundlage ist ein umfangreiches Punktesystem in Bereichen wie Mannschaftsstruktur, Qualifikation des Personals, Trainingsumfang, sportmedizinische Betreuung sowie schulische Kooperationen. Nach Auffassung des Vereins erfüllt der VfL Oldenburg sämtliche geforderten Kriterien.
Der Zertifizierungsausschuss sieht hingegen Defizite im Bereich eines „angeleiteten Krafttrainings“ innerhalb der Vereinsstruktur. Beim VfL werden entsprechende Einheiten regelmäßig in einem externen Fitnessstudio durchgeführt. Dort absolvieren die Spielerinnen individuelle Trainingspläne erstellt von qualifizierten Trainern, unterstützt durch digitale Programme sowie betreut durch qualifiziertes Personal vor Ort. Dazu führt Lampe aus: „Ich sehe keinen Unterschied. Bei uns arbeiten alle Spielerinnen anhand einer App ihr Programm ab. Für Fragen und zur Betreuung steht ein Trainer des Fitness-Studios zur Verfügung. Was will der Verband also mehr?“
Der Verein verweist zudem darauf, dass trotz fehlenden Handball-Internats eine durchgehend professionelle und erfolgreiche Nachwuchsarbeit geleistet wird. Im Leistungsbereich ist der VfL mit Mannschaften in der Bundesliga, der 3. Liga sowie in der A- und B-Jugend-Bundesliga vertreten. Mehrere Spielerinnen des aktuellen Bundesligakaders stammen aus der eigenen Jugend des Vereins, was als zentraler Beleg für die nachhaltige Qualität der Ausbildung gesehen wird. In dieser Spielzeit sind dies Madita Kohorst, Toni-Luisa Reinemann, Lana Teiken, Jane Martens, Lisa-Marie Fragge, Marie Steffen und Jenny Behrend, die allesamt den Weg durch die Nachwuchsabteilung des VfL Oldenburg in den Profibereich geschafft haben.
Im Zusammenhang mit den HBF-Richtlinien zur verpflichtenden Nachwuchsförderung kritisiert der Verein insbesondere die finanziellen Konsequenzen der aktuellen Regelung. Vereine, die sich nicht für das Jugendzertifikat anmelden, müssen eine Strafzahlung in Höhe von 14.000 Euro leisten. Vereine, die sich bewerben, die Kriterien jedoch laut Bewertung nicht vollständig erfüllen, zahlen 12.000 Euro – so auch der VfL Oldenburg. Dies geschieht trotz Investitionen von über 100.000 Euro jährlich in die eigene Jugendarbeit.
Lampe betont die Unverhältnismäßigkeit dieser Regelung: „Wir stecken mehr als 100 000 Euro in die Jugendarbeit. So viel Geld nimmt kein anderer Verein, der kein Internat hat, in die Hand. 12 000 Euro sind für uns sehr viel Geld“. Darüber hinaus stellt er die Gewichtung innerhalb des Strafenkatalogs grundsätzlich infrage: Während für infrastrukturelle Defizite wie eine nicht ligataugliche Halle geringere Strafen anfallen, werde die Nachwuchsarbeit deutlich stärker sanktioniert. „Das ist der Jugendarbeit abträglich. Das Geld fehlt den Clubs und offenbar ist dem Verband die Hallensituation wichtiger als die Förderung der Jugendarbeit. Das ist nicht professionell“.
Der VfL Oldenburg sieht in der aktuellen Praxis keine angemessene Würdigung seines Engagements und fordert eine Überprüfung der Bewertungsmaßstäbe sowie der finanziellen Sanktionen im Sinne einer nachhaltigen Förderung der Nachwuchsarbeit.
