Mit einem Heimspiel gegen den SV Union Halle-Neustadt starten die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg am Sonntag, 26. April, in die Playoffs um die Plätze fünf bis elf. Sechs Spiele bleiben für die Huntestädterinnen, um sich im engen Feld zu behaupten – und im besten Fall den fünften Tabellenplatz zu verteidigen, der zur Teilnahme am europäischen Wettbewerb berechtigen würde.
Die Ausgangslage ist vielversprechend: Mit sieben Punkten nimmt das Team von Trainer Niels Bötel die maximale Ausbeute aus der Hauptrunde in die anstehenden Playoffs mit. Dennoch ordnet der 39-Jährige die Situation realistisch ein: „Grundsätzlich gehen wir in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen. Aber wir sind nicht die Mannschaft, die Platz fünf verteidigen muss, um am Ende von einer guten Saison sprechen zu können.“ Vielmehr sieht Bötel andere Teams in der Favoritenrolle: „Metzingen und Neckarsulm haben über die Saison hinweg gezeigt, dass sie sehr konstant sind und vor allem über die breiteren Kader verfügen.“ Trotzdem will der VfL oben dranbleiben. „Natürlich wäre es eine tolle Sache, international zu spielen. Aber unser Ansatz ist ein anderer: Wir wollen uns in jedem Spiel weiterentwickeln und schauen, was am Ende dabei herauskommt“, so Bötel.
Mit dem SV Union Halle-Neustadt (11. Platz/10:30 Punkte) wartet zum Auftakt auf dem Papier der schwächste Gegner der Hauptrunde. Doch genau darin sieht der VfL-Coach auch eine Herausforderung. „Es wird nicht einfacher, nur weil der Gegner weiter unten steht“, betont er. „Halle wird alles daransetzen, gegen uns zu punkten – und wir haben in dieser Saison selbst erlebt, dass solche Spiele unangenehm werden können.“ Tatsächlich ließ Oldenburg in der Rückrunde ausgerechnet gegen Tabellenschlusslichter wie der Buxtehuder SV und BSV Sachsen Zwickau Punkte liegen. Gleichzeitig zeigte die Mannschaft aber auch ihr Potenzial, als sie gleich drei der vier Topteams jeweils einmal furios bezwang. Diese Schwankungen, die völlig normal für den jungen und talentierten Kader der Oldenburgerinnen sind, gilt es nun abzustellen. „Es geht darum, wieder 60 Minuten Vollgas zu geben, unabhängig davon, wer auf der Platte steht“, fordert Bötel. „Wenn wir unser Leistungsniveau erreichen, wird es für jeden Gegner schwer – aber wir müssen diese Konstanz über ein ganzes Spiel hinweg zeigen.“
Die beiden Hauptrunden-Duelle gegen Halle-Neustadt entschied der VfL zwar für sich (31:27 auswärts, 34:29 zuhause), doch insbesondere das Heimspiel blieb lange offen. „Sie haben uns damals über weite Strecken gefordert“, erinnert sich Bötel. „Am Ende hatten wir die Qualität, das Spiel zu gewinnen – aber genau das müssen wir uns auch diesmal wieder erarbeiten.“ Ein Faktor wird dabei auch sein, wie gut die Oldenburgerinnen in den Rhythmus finden. Während die Konkurrenz am vergangenen Wochenende bereits im Einsatz war, greift der VfL nun erst ins Geschehen ein. „Halle ist vielleicht schon ein Stück weiter im Spielfluss“, sagt Bötel. „Für uns wird es wichtig sein, von Beginn an präsent zu sein.“
Die personelle Situation bleibt unterdessen angespannt. Neben den bereits verletzten Spielerinnen musste zuletzt auch Lisa-Marie Fragge krankheitsbedingt pausieren. Läuft alles nach Plan, dürfte sie aber rechtzeitig zurückkehren. „Wenn Lisa dabei ist, wird es der gleiche Kader wie im letzten Hauptrundenspiel gegen Metzingen sein“, so Bötel, der vor allem auf ihre Defensivstärke setzt.
Unabhängig davon richtet der Trainer den Blick vor allem auf die eigene Leistung: „Wenn wir ein gutes Spiel machen, haben wir die Qualität, gegen jeden Gegner zu bestehen. Aber wir müssen auch beweisen, dass wir solche Spiele gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellenbereich gewinnen können.“ Für den VfL Oldenburg geht es damit nicht nur um Punkte, sondern auch um eine Standortbestimmung. „Wir sehen uns als Mannschaft im Mittelfeld der Liga“, ordnet Bötel ein. „Ob wir am Ende wirklich auf Platz fünf gehören, werden die nächsten sechs Spiele zeigen.“
