Für die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg beginnt am Wochenende die nächste Europapokal-Saison. In der 2. Runde der Qualifikation zur Gruppenphase der EHF European League trifft die Mannschaft von Trainer Niels Bötel am Sonntag, 4. Oktober, 15 Uhr, auswärts auf GC Amicitia Zürich.
Nach dem Abschlusstraining am Freitagmorgen macht sich der VfL Oldenburg mit dem Bus auf den Weg in die Schweiz. Dort wartet mit dem amtierenden Schweizer Meister und Pokalsieger ein Gegner, der für die Oldenburgerinnen zwar einige bekannte Gesichter bereithält, insgesamt aber dennoch nur schwer einzuschätzen ist. „Das Gute ist dieses Mal, dass wir gegen zwei ihrer Feldspielerinnen schon gespielt haben“, sagt Bötel. Mit Mailee Winterberg, die bereits für Buxtehude auflief und aktuell beste Torschützin der Züricherinnen ist, sowie Fatos Özdemir kennt der VfL zwei Rückraumspielerinnen bereits aus der Bundesliga.
Damit verfügt das Trainerteam zumindest über einige Anhaltspunkte. „Man kann viel Videostudium betreiben, wie sie im Eins-gegen-eins angreifen und verteidigen ist aber nie so richtig zu sagen“, sagt Bötel. Trotzdem bleiben vor dem ersten Duell einige Fragezeichen. „Das ist auf beiden Seiten so.“ Gerade personell sei noch schwer vorherzusagen, mit welcher Formation Zürich letztlich antreten werde. Einige Spielerinnen seien aus der Länderspielphase nicht vollkommen fit zurückgekehrt, gleichzeitig seien zuletzt Akteurinnen nach Verletzungen wieder zum Kader gestoßen. „Wir müssen schauen, wie sie am Ende wirklich auflaufen.“
Eine zusätzliche Möglichkeit zur Beobachtung bot sich dem VfL am Mittwochabend. Da war GC Amicitia bereits wieder in der Schweizer Liga gefordert und musste sich bei Yellow Winterthur knapp mit 25:26 geschlagen geben. Nach fünf Saisonspielen stehen die Züricherinnen damit bei vier Siegen und einer Niederlage und belegen aktuell den dritten Tabellenplatz.
Auch beim VfL verlief die Vorbereitung auf das internationale Duell nicht vollkommen reibungslos. Mehrere Spielerinnen waren in den vergangenen Tagen krank, wodurch vor allem im taktischen Bereich nur eingeschränkt gearbeitet werden konnte. „Teilweise waren wir nur mit vier oder fünf Spielerinnen im Training. Da kannst du taktisch natürlich nicht so viel machen“, so Bötel. Dennoch reist Oldenburg mit Rückenwind in die Schweiz. Vor der Länderspielpause gelangen dem VfL zwei Bundesliga-Siege in Folge. Nach dem 28:24 beim HC Leipzig folgte ein 29:23 gegen die Sport-Union Neckarsulm. Vor allem eine Entwicklung aus den vergangenen Wochen möchte Bötel nun auch auf internationaler Bühne sehen. „Wir wollen in der Schweiz zeigen, dass wir weiter an unserem Tempo gearbeitet haben.“
Gleichzeitig ist klar, dass sich die Herangehensweise an ein Europapokalspiel mit Hin- und Rückspiel deutlich vom Ligaalltag unterscheidet. Denn am Sonntag geht es nicht allein darum, wer die Partie gewinnt. Entscheidend ist auch, welche Ausgangslage sich der VfL für das Rückspiel in Oldenburg verschafft. „Taktisch muss man da anders herangehen“, sagt Bötel. „In der Liga ist es am Ende egal, wie groß die Differenz ist. Jetzt müssen wir schon an das Rückspiel denken.“ Jeder Treffer kann damit im weiteren Verlauf der Qualifikation noch eine Rolle spielen. „Es geht auch darum, wie viele Gegentore wir bekommen und mit welcher Differenz wir aus dem Spiel gehen.“
Eine besondere Partie wird es zudem für Emma Bächtiger und Laurentia Wolff. Beide VfL-Spielerinnen liefen in der Vergangenheit bereits für GC Amicitia Zürich auf und wechselten 2025 nach Oldenburg. Für sie bedeutet die Partie am Sonntag somit die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Für den VfL ist Zürich dabei erst der erste Schritt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel. Zwei Qualifikationsrunden gilt es zu überstehen, um wie bereits in der vergangenen Saison erneut die Gruppenphase der EHF European League zu erreichen. Dafür wollen sich die Oldenburgerinnen am Sonntag eine möglichst gute Ausgangslage für das Rückspiel in eigener Halle verschaffen.
