VfL Oldenburg sorgt für Sensation gegen Spitzenreiter Dortmund

Die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg haben für eine faustdicke Überraschung gesorgt und dem bislang ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund die erste Saisonniederlage zugefügt. Vor 1724 Zuschauern setzte sich die Mannschaft von Trainer Niels Bötel nach einer leidenschaftlichen Vorstellung mit 33:29 (19:16) gegen den Meisterschaftsfavoriten durch. Mit einer starken Defensive und viel Entschlossenheit im Angriff feierten die Oldenburgerinnen ihren vierten Bundesliga-Sieg in Folge – und damit den bislang größten Erfolg der laufenden Saison.

Die letzten Sekunden liefen bereits, als Paulina Golla auf dem Weg zum gegnerischen Tor noch einmal unfair gestoppt wurde. Die Entscheidung der Unparteiischen: Siebenmeter für Oldenburg. Laurentia Wolff trat an, der Pfiff ertönte, die letzten zwei Sekunden verstrichen. Doch Dortmunds Torhüterin Sarah Wachter parierte den Wurf. Für Wolff war das in diesem Moment nicht mehr als eine Randnotiz. Die Oldenburger Kapitänin drehte sich um, riss die Arme in die Höhe und stürmte auf ihre Mitspielerinnen im Mittelkreis zu. Der verpasste zehnte Treffer? Völlig egal. Der große Coup war gelungen. Die Oldenburgerinnen lagen sich in den Armen, die Fans hielt es längst nicht mehr auf ihren Sitzen. Die kleine EWE Arena stand Kopf.

„Es war ein sehr intensives Spiel. Ich glaube, wir haben von Minute eins an gekämpft, sind Tempo gegangen, jeder hat seine Aufgabe erledigt und wir haben bis zum Schluss daran geglaubt“, sagte Wolff nach dem überraschenden Erfolg. Tatsächlich hatte der VfL dem großen Favoriten nicht nur Paroli geboten, sondern über weite Strecken seinen eigenen Spielstil aufgezwungen. Dabei hätte die Ausgangslage kaum deutlicher sein können. Dortmund war mit fünf Siegen aus fünf Bundesligaspielen und als souveräner Tabellenführer nach Oldenburg gereist, hatte zuletzt auch in der Champions-League mit drei Erfolgen in Serie seine Klasse unter Beweis gestellt. VfL-Trainer Bötel hatte die Gäste im Vorfeld als klare Nummer eins der Liga bezeichnet und gleichzeitig angekündigt, den Favoriten so lange wie möglich ärgern zu wollen. Dass daraus am Ende zwei Punkte werden könnten, damit hatten wohl nur die größten Optimisten gerechnet.

Doch die Oldenburgerinnen zeigten von Beginn an, dass sie sich keineswegs verstecken wollten. Mit viel Tempo und mutigen Aktionen setzten die Gastgeberinnen die Dortmunder Defensive immer wieder unter Druck. Nach gut zehn Minuten führte der VfL mit 8:6. Zwar konnte Dortmund zwischenzeitlich selbst in Führung gehen, doch Oldenburg blieb seiner Linie treu. Nach dem 11:11 (20.) setzte sich die Mannschaft von Bötel erstmals deutlicher ab. Wolff sorgte beim 14:11 (23.) für die erste Drei-Tore-Führung, wenig später lag der VfL sogar mit vier Treffern vorne. Mit einem verdienten 19:16 ging es schließlich in die Halbzeitpause.

Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gastgeberinnen zunächst am Drücker. Zwar kämpfte sich Dortmund zwischenzeitlich auf 20:18 heran, doch Oldenburg antwortete und baute den Vorsprung beim 24:19 (40.) erstmals auf fünf Tore aus. Insbesondere Madita Kohorst erwischte ausgerechnet an ihrem Geburtstag einen herausragenden Abend und brachte den BVB immer wieder zur Verzweiflung (14 abgewehrte Würfe). Ganz ohne kritische Phase ging es für den Außenseiter allerdings nicht. Dortmund erhöhte in der Schlussviertelstunde noch einmal den Druck und verkürzte beim 28:26 (52.) auf zwei Treffer. Plötzlich drohte die Partie zu kippen. Doch anstatt nervös zu werden, fanden die Oldenburgerinnen wieder zu ihrem Spiel zurück. „Wir haben uns noch einmal mehr bewegt, noch einmal den Schritt mehr in die Tiefe gemacht und es dann auch gut ausgespielt, keine blöden Fehler gemacht“, erklärte Wolff. Die Kapitänin übernahm in dieser entscheidenden Phase selbst Verantwortung und verwandelte zwei wichtige Siebenmeter zum 29:26 und 30:27. Kurz darauf war die Entscheidung gefallen.

Der BVB-Heimsieg war bereits der vierte Bundesliga-Erfolg in Serie. Dazu kommt der Einzug in die dritte Qualifikationsrunde der EHF European League. Innerhalb von knapp zwei Wochen hat sich der VfL damit national wie international eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Nach dem intensiven Programm kommt die bevorstehende kurze Spielpause gerade recht. „Wir hatten zwei sehr intensive Wochen. Jetzt sind wir froh, dass wir uns ein wenig erholen können und freuen uns danach dann aber wieder auf die nächsten Aufgaben“, sagte Wolff. In der Bundesliga geht es für den VfL am 31. Oktober (16 Uhr) beim Buxtehuder SV weiter. Bis dahin dürfen die Oldenburgerinnen ihren bislang größten Saisonerfolg zumindest ein wenig genießen.

 

VfL Oldenburg – Borussia Dortmund 33:29 (19:16)

VfL Oldenburg: Janßen, Kohorst – Teiken (2), Birnkammer (5), Behrend (3), Reinemann (4), Müller (4), Granicka, Oetjen, Wolff (9/5), Munderloh, Golla (5), Fragge (1)