Fünf Bundesliga-Siege in Folge, der vierte Tabellenplatz und jede Menge Selbstvertrauen: Die Handballerinnen des VfL Oldenburg sind derzeit das Team der Stunde in der Bundesliga. Keine andere Mannschaft kann aktuell eine vergleichbare Siegesserie vorweisen. Am Mittwochabend (19 Uhr) gastiert die Mannschaft von Trainer Niels Bötel beim SV Union Halle-Neustadt und will dort den nächsten Erfolg feiern. Trotz der unterschiedlichen Tabellenpositionen warnt der VfL-Coach allerdings vor den Gastgeberinnen, die zuletzt beim Thüringer HC nur knapp an einer Überraschung vorbeigeschrammt sind.
Der VfL Oldenburg befindet sich weiterhin im Aufwind. Auch die personellen Ausfälle konnten die Huntestädterinnen zuletzt nicht ausbremsen. Nach dem überraschenden 33:29-Erfolg gegen Tabellenführer Borussia Dortmund legte die Mannschaft von Trainer Niels Bötel am vergangenen Samstag nach und entschied das Nordderby beim Buxtehuder SV mit 27:24 für sich. Es war bereits der fünfte Bundesliga-Sieg in Folge – eine Bilanz, die derzeit kein anderes Team in der Liga vorweisen kann. Mit 11:3 Punkten haben sich die Oldenburgerinnen auf dem vierten Tabellenplatz festgesetzt und halten damit den Anschluss an das Spitzentrio um die HSG Blomberg-Lippe, den Thüringer HC (beide 13:1 Punkte) und Borussia Dortmund (12:2). Dabei ist die positive Entwicklung längst auch auf dem Spielfeld erkennbar. Besonders defensiv präsentierte sich der VfL in den vergangenen Wochen stabil, während die Mannschaft auch in engen Spielsituationen zunehmend die nötige Ruhe bewahrt. „Wir sind eine Mannschaft, die sehr viel Potenzial hat“, sagt Bötel. Dass seine Spielerinnen dieses Potenzial bereits so konstant abrufen können, kommt selbst für den Trainer etwas überraschend. „Wir haben jetzt auch gegen Buxtehude gezeigt, dass wir sehr gut aufgetreten sind, ein gutes Selbstvertrauen haben und uns gut entwickelt haben.“
Doch viel Zeit, um die jüngsten Erfolge zu genießen, bleibt nicht. Bereits am Mittwoch wartet mit dem SV Union Halle-Neustadt die nächste Auswärtsaufgabe. Die Gastgeberinnen stehen mit 3:11 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz und mussten zuletzt zwei Niederlagen hinnehmen. Nach dem 25:30 gegen Buxtehude unterlag Halle am vergangenen Wochenende dem Thüringer HC mit 30:32. Gerade dieser Auftritt gegen den Tabellenzweiten dürfte den Oldenburgerinnen allerdings als Warnung dienen. Über weite Strecken hielt Halle gegen den Favoriten mit und zeigte, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. „Das ist eine Mannschaft, die in der Vorbereitung und zu Beginn der Saison einen sehr guten Ball gespielt hat“, erklärt Bötel. Zwar habe Halle zwischenzeitlich einen kleinen Durchhänger gehabt, gegen Thüringen aber wieder deutlich stärker aufgespielt. Besonders die taktische Flexibilität der Gastgeberinnen beeindruckt den VfL-Coach. „Sie haben gegen Thüringen sehr variabel gespielt, im Angriff sowohl sechs gegen sechs als auch sieben gegen sechs, und in der Abwehr sehr aggressiv agiert.“
Nach zahlreichen personellen Veränderungen und einem Wechsel auf der Trainerposition sieht Bötel den kommenden Gegner deutlich stärker als noch in der vergangenen Saison. „Man sieht eine deutliche Entwicklung und viel mehr System. Das macht die Mannschaft auch unvorhersehbarer, weil sie sehr variabel und variantenreich spielt.“ Neben erfahrenen Spielerinnen wie Gruba verfüge Halle über gefährliche Rückraumwerferinnen, die auch aus zehn Metern erfolgreich abschließen können, und gut besetzte Außenpositionen. Von der Tabellensituation möchte sich Bötel deshalb keinesfalls täuschen lassen. „Wenn sie so spielen wie gegen Thüringen, dann wird es für jeden Gegner schwierig, gegen Halle zu gewinnen“, warnt der VfL-Trainer. Für seine Mannschaft komme es daher vor allem darauf an, die eigenen Stärken erneut auf die Platte zu bringen. „Wir müssen wieder die Abwehrleistung zeigen, die wir gegen Buxtehude gebracht haben. Dann haben wir sehr gute Chancen, auch dort etwas mitzunehmen.“
Verbesserungsbedarf sieht Bötel dagegen noch im Angriffsspiel. Trotz der jüngsten Erfolge ließ seine Mannschaft immer wieder gute Möglichkeiten ungenutzt. „Es wäre hilfreich, wenn wir im Angriff noch etwas zielgenauer wären und unsere freien Chancen besser nutzen würden“, betont der Trainer. Gerade gegen die aggressive und variable Deckung der Gastgeberinnen werde es wichtig sein, geduldig zu bleiben und unnötige Ballverluste zu vermeiden. Dass die Erfolgsserie mittlerweile auf fünf Spiele angewachsen ist, soll dabei keine Rolle spielen. Bötel mahnt seine Mannschaft, sich nicht von den jüngsten Ergebnissen oder dem deutlichen Abstand in der Tabelle blenden zu lassen. „Nur weil wir jetzt Dortmund geschlagen haben und mit drei Minuspunkten dastehen, sollten wir uns auf uns besinnen.“ Seine Spielerinnen hätten in den vergangenen Wochen zwar einen großen Schritt nach vorne gemacht, müssten diese Entwicklung nun aber in jeder Begegnung aufs Neue bestätigen. Bötel: „Wenn wir wieder so wenig Fehler machen wie in den letzten Spielen und so gut Abwehr spielen, dann haben wir auch eine gute Chance, die zwei Punkte mitzunehmen.“
