Ein besonderer Moment für die Handballerinnen des VfL Oldenburg: Erstmals unter der Leitung von Trainer Niels Bötel stehen die Huntestädterinnen in der Gruppenphase der EHF European League. Dreimal hatte sich der VfL zuvor für den Wettbewerb qualifiziert, der Sprung in diese Runde war jedoch stets verwehrt geblieben. Im November gelang nun der Durchbruch – und zum Auftakt wartet vor heimischer Kulisse direkt eine anspruchsvolle Aufgabe.
„Wir sind unheimlich froh, dass wir dieses Mal die dritte Qualifikationsrunde überstanden haben“, sagt Bötel mit Blick auf die Play-offs gegen RK Dalmatinka Ploče. Gegen den kroatischen Vertreter setzte sich Oldenburg im November in Hin- und Rückspiel jeweils souverän durch (36:14 und 39:21) und machte in der kleinen EWE-Arena frühzeitig alles klar. Mit dem Einzug in die Gruppenphase überwinterte der VfL zum ersten Mal seit neun Jahren im Europapokal – nun soll mehr folgen.
Zum Auftakt der Gruppe empfängt Oldenburg mit ŽRK Lokomotiva Zagreb erneut ein Team aus Kroatien, allerdings von deutlich höherem Kaliber. „Ich glaube, dass wir da recht wenig vom Playoff-Spiel ableiten können. Zagreb ist deutlich mehr als Top-Team zu sehen als Ploče“, warnt Bötel. Die Historie der Gäste unterstreicht diese Einschätzung: Lokomotiva Zagreb gewann fünfmal die kroatische Meisterschaft, zuletzt 2022 und 2023, holte zudem sechs nationale Pokalsiege und machte auch international bereits auf sich aufmerksam – unter anderem mit dem Gewinn des EHF-Pokals 1991 und des EHF Challenge Cup 2017. Aktuell führt Zagreb die kroatische Liga an. „Auch, wenn sie noch gegen kein anderes Top-Team in der Liga gespielt haben, sagt das etwas über ihre Qualität aus“, so der VfL-Coach.
Der Start in die Gruppenphase ist für Oldenburg zugleich eine neue Chance auf internationaler Bühne – und ein zusätzlicher Antrieb nach dem Aus im DHB-Pokal. Dort hatte der VfL den Einzug ins Final Four in Stuttgart verpasst, was den Ehrgeiz für die European League weiter geschärft hat. Neben Zagreb warten in der Gruppe noch Tertnes Bergen aus Norwegen sowie der rumänische Titelaspirant Rapid Bukarest. Die ersten beiden Teams qualifizieren sich Ende Februar für das Viertelfinale – ein Ziel, das der VfL fest im Blick hat.
Gegen Zagreb wird es vor allem auf die Defensive ankommen. „Für uns geht es – wie eigentlich immer – darum, dass wir in der Abwehr in Sechs-gegen-sechs kommen“, fordert Bötel. Bei der Analyse der Kroatinnen stach ihm besonders Rückraumspielerin Tara Delekovcan ins Auge. „Sie ist recht wurfgewaltig und gleichzeitig stark im Eins-gegen-eins“, beschreibt der Trainer die erst 19-Jährige, die bei Lokomotiva als Haupttorschützin agiert. Insgesamt verfüge Zagreb über einen sehr durchsetzungsstarken Rückraum, zudem gelte es, die Anspiele an den Kreis konsequent zu unterbinden. „Die erste und zweite Welle spielen sie enorm stark und sind damit gefährlich“, ergänzt Bötel.
Lehren ziehen will der VfL dabei auch aus dem letzten Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund. Bei der 29:34-Niederlage gerieten die Oldenburgerinnen in der ersten Halbzeit durch das schnelle Tempospiel des BVB früh deutlich ins Hintertreffen. „Wir müssen in der Verbindung von Angriff und Abwehr geduldig spielen“, fordert Bötel deshalb für den internationalen Auftakt. Mut mache allerdings der zweite Durchgang gegen Dortmund, in dem der VfL stabiler stand und auf Augenhöhe agierte.
Personell kann Oldenburg nahezu aus dem Vollen schöpfen. Bis auf die Schweizer Nationalspielerin Emma Bächtiger, die nach ihrer Schulterverletzung noch nicht wieder voll belastbar ist, stehen alle Spielerinnen zur Verfügung. Vor heimischer Kulisse in der kleinen EWE-Arena will der VfL nun mit einem couragierten Auftritt in das Abenteuer Gruppenphase starten – und direkt ein erstes Ausrufezeichen in der EHF European League setzen.
