Erfahrung für den Kreis: Annika Ingenpaß verstärkt VfL Oldenburg

Der VfL Oldenburg treibt seine Kaderplanung für die kommende Saison weiter voran und sichert sich die Dienste von Annika Ingenpaß. Die 29-jährige Kreisläuferin wechselt vom TSV Bayer 04 Leverkusen in die Huntestadt und unterschreibt einen Vertrag bis zum Sommer 2027. Mit ihrer Erfahrung aus zahlreichen Bundesligaspielen, internationalen Einsätzen und A-Länderspielen für Deutschland soll sie dem Oldenburger Spiel zusätzliche Stabilität verleihen.

Es ist ein bewusster Schritt zurück zu dem, was sie seit Kindheitstagen antreibt: der Handball. Wenn Annika Ingenpaß über ihre Entscheidung spricht, noch einmal alles auf die Karte Leistungssport zu setzen, klingt das nicht nach einem Neuanfang – sondern vielmehr wie eine Entscheidung für das, was sie schon immer angetrieben hat. „Ich habe gemerkt, dass die Doppelrolle als Spielerin und Sportliche Leiterin schon sehr herausfordernd für mich ist“, sagt die Kreisläuferin über ihre vergangenen Monate, wo sie seit März 2025 beide Aufgaben gleichzeitig übernommen hatte. „Am Ende habe ich für mich entschieden, noch einmal meiner großen Leidenschaft nachzugehen und auf höchstem Niveau Handball zu spielen.“

Diese Leidenschaft begleitet sie, seit sie fünf Jahre alt ist. Damals beginnt alles bei der TS Grefrath, später führen sie ihre Stationen über den TV Aldekerk zu Bayer Leverkusen, wo Ingenpaß bereits im Jugendbereich große Erfolge feiert. Es folgen Jahre in der Bundesliga – mit Stationen unter anderem bei Borussia Dortmund und TuS Metzingen, Einsätzen im Europapokal und mehreren Finalteilnahmen im DHB-Pokal. „Ich glaube, die gesamte Zeit im Handball prägt einen extrem“, sagt Ingenpaß. „Handball war immer meine Nummer eins. Ich habe da unglaublich viel Zeit und Herzblut reingesteckt – und das ist bis heute so geblieben.“ Dass sie auch nach all den Jahren noch einmal diesen Schritt wagt, hat viel mit ihrem eigenen Anspruch zu tun. „Man muss irgendwann auch bereit sein, aufzuhören“, sagt sie. „Aber dieses Gefühl habe ich einfach noch nicht. Ich bin noch immer super ehrgeizig und fühle mich körperlich gut. Ich habe einfach noch richtig Lust auf Bundesliga-Handball.“

Ihr Weg führt sie nun nach Oldenburg – dort, wo sie schon zahlreiche Begegnungen gegen den VfL absolviert hat, und immer wieder beeindruckt von der Atmosphäre in der kleinen EWE Arena war. Dazu habe sich der Verein in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt – sportlich wie strukturell. „Oldenburg ist ein wahnsinnig professioneller und attraktiver Erstligaverein geworden“, sagt Ingenpaß. „Egal ob die Zuschauerzahlen in der Arena oder das Auftreten des Teams – das Gesamtbild passt einfach.“ Besonders der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft sei auffällig. „Das Team wirkt nach außen wie eine echte Einheit, die füreinander einsteht.“

Ihre Rolle sieht sie dabei klar definiert: Erfahrung weitergeben, Verantwortung übernehmen, vorangehen. „Ich möchte den jungen Spielerinnen helfen, sich weiterzuentwickeln, und gleichzeitig selbst ein wichtiger Teil dieser Mannschaft sein.“ Auch sportlich hat die 29-Jährige ihre Ziele fest im Blick. „Ich würde mich wahnsinnig freuen, noch einmal international zu spielen“, sagt sie. „Und ich glaube, dass mit diesem Team extrem viel möglich ist – auch perspektivisch ein Platz unter den Top fünf.“

Beim VfL kam die Möglichkeit zur Verpflichtung genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn: Eigentlich war Nachwuchstalent Sophie Weyers an der Seite zu Ariane Pfundstein am Oldenburger Kreis geplant. „Aufgrund der Verletzung von Sophie mussten wir reagieren. Sie war eigentlich als Backup eingeplant – dieser Plan ist leider früh ins Wanken geraten“, erklärt Andreas Lampe, Geschäftsführer des VfL Oldenburg: „Um unserer Verantwortung gegenüber dem Kader und unseren sportlichen Zielen gerecht zu werden, war es wichtig, hier aktiv zu werden.“ Dass sich mit Ingenpaß eine solche Option ergeben hat, bewertet er als echten Glücksfall: „Wir sagen immer: Wenn sich etwas ergibt, das wirklich Sinn macht, dann handeln wir. In diesem Fall hat sich durch Zufall eine sehr gute Chance für beide Seiten ergeben.“

Vor allem die Erfahrung der Kreisläuferin sieht Lampe als entscheidenden Faktor: „Annika bringt unglaublich viele Spiele auf höchstem Niveau mit und kennt die Anforderungen der Bundesliga genau. Sie wird Ariane am Kreis mit Sicherheit den einen oder anderen wichtigen Tipp aus ihrer Karriere mitgeben können.“ Gleichzeitig unterstreicht er die Bedeutung der Neuverpflichtung für die gesamte Teamstruktur: „Wir sind auf dieser Position jetzt sehr gut aufgestellt – mit viel Erfahrung durch Annika und gleichzeitig großem Entwicklungspotenzial bei Ariane. Dieser Mix passt aus unserer Sicht perfekt für die kommende Saison.“

Für Annika Ingenpaß bedeutet der Wechsel vor allem eines: noch einmal alles investieren, noch einmal an die eigenen Grenzen gehen – und das in einem Umfeld, das genau dafür geschaffen scheint. Oder, wie sie es selbst sagt: „Ich habe einfach Lust, noch einmal alles rauszuholen, was geht.“