Am Sonntag, 30. August, wird es für die Handballerinnen des VfL Oldenburg wieder ernst. Um 16 Uhr startet der Bundesligist beim BSV Sachsen Zwickau in die Bundesliga-Saison 2026/27. Für Trainer Niels Bötel ist es bereits die zehnte Spielzeit an der Seitenlinie der Grün-Weißen. Nach einer langen und durch Verletzungen erschwerten Vorbereitung blickt der Coach dennoch mit viel Vorfreude auf den Auftakt.
Saisonvorbereitung: Gute Leistungen trotz Ausfällen
Die vergangenen Wochen verliefen für den VfL nicht ganz nach Wunsch. Vor allem die personellen Ausfälle machten es schwierig, sämtliche Formationen und Abläufe so intensiv einzuspielen wie geplant. Mit der sportlichen Entwicklung seiner Mannschaft zeigt sich Bötel dennoch zufrieden. „Wenn alle fit aus der Vorbereitung gekommen wären und wir alle Formationen gemeinsam hätten einspielen können, wäre es natürlich besser gewesen“, sagt der VfL-Coach. Die Leistungen in den Testspielen stimmen ihn trotzdem positiv. „Egal, ob gegen Zweitligisten, Dortmund oder Buxtehude: Wir haben es trotz der Verletzungen ordentlich gemacht – unabhängig davon, mit welcher Abwehrformation wir gespielt haben.“
Besonders erfreulich sei gewesen, dass auch Spielerinnen Verantwortung übernommen hätten, die zunächst vielleicht eher für die zweite Reihe vorgesehen waren. „Die sind super reingekommen. Mit den Leistungen bin ich definitiv zufrieden.“
Einen Schwerpunkt legte der VfL in der Vorbereitung auf das schnelle Umschaltspiel. Aus einer aktiven Defensive heraus soll es möglichst schnell in Richtung gegnerisches Tor gehen. Perfekt könne das Zusammenspiel vor dem Saisonstart allerdings noch nicht sein. „Das wichtige Timing bekommt man ohnehin erst in den Ligaspielen mit der nötigen Wettkampfhärte“, sagt Bötel. „Jeder Trainer wird vor dem ersten Spiel sagen, dass seine Mannschaft noch etwas Zeit braucht. Das ist bei uns nicht anders.“
Personal: Sechs Neue – aber auch einige Ausfälle
Gleich sechs neue Spielerinnen gehören in dieser Saison zum Oldenburger Aufgebot. Mit Torhüterin Lilly Janßen, Annika Ingenpass, Julika Birnkammer und Lara Müller kamen vier externe Verstärkungen hinzu, zudem sollen die Nachwuchstalente Mikkeline Oetjen und Lisa Munderloh den nächsten Schritt machen. Mit der Integration ist Bötel zufrieden. „Vom Training her passt es sehr gut. Alle sind motiviert und wollen sich ihren Platz im Team erarbeiten.“ Auch menschlich hätten die Neuzugänge schnell Anschluss gefunden. Besonders wichtig ist dem Trainer, dass jede Spielerin bereit ist, Verantwortung in der Defensive zu übernehmen. Eine aktive, bewegliche Abwehr bleibt ein zentraler Bestandteil des Oldenburger Spiels.
Allerdings wurde die Vorbereitung von erheblichem Verletzungspech begleitet. Ariane Pfundstein und Emma Bächtiger konnten nach ihren Verletzungen aus der vergangenen Spielzeit noch nicht wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Darüber hinaus mussten die beiden Neuzugänge Lara Müller und Julika Birnkammer sowie Toni Reinemann, Lisa-Marie Fragge und Lana Teiken während der Vorbereitung zeitweise passen beziehungsweise fallen weiterhin aus. „Das hat die Vorbereitung sicherlich erschwert“, sagt Bötel. Vor allem im Innenblock fehlen dadurch gemeinsame Trainingsminuten. „Wir konnten dort mit keiner der eigentlich geplanten Spielerinnen durchgehend trainieren. Diese Eingespieltheit wird erst im Laufe der Saison kommen.“
Welche Spielerinnen am Sonntag in Zwickau tatsächlich zur Verfügung stehen, ist deshalb noch nicht abschließend geklärt. Sorgen um die grundsätzliche Qualität seines Kaders macht sich Bötel aber nicht: „Wir haben im Team definitiv eine Menge Potenzial.“
Saisonziel: Entwicklung statt Tabellenplatz
Einen konkreten Tabellenplatz als Ziel auszugeben, davon hält Bötel wenig. Der VfL verfolgt bewusst einen anderen Weg und setzt auf die Entwicklung junger Spielerinnen. „Es ist unsere Aufgabe als Trainer und Verein, realistisch zu denken. Wir kaufen keine Spielerinnen aus dem Ausland ein, sondern holen junge Talente oder erfahrene Spielerinnen aus Deutschland, die gut zu uns passen“, erklärt Bötel. Ziel sei es, Spielerinnen weiterzuentwickeln und ihnen den nächsten Schritt zu ermöglichen. Beste Beispiele dafür dürften die beiden Nationalspielerinnen Jenny Behrend (mittlerweile zurück beim VfL) oder zuletzt Marie Steffen (Rapid Bukarest) sein.
Den Erfolg einer Saison ausschließlich an einer Platzierung festzumachen, wäre für ihn deshalb „fahrlässig“. Zumal der neue Modus nach 22 Spieltagen der Hauptrunde noch einmal eine Aufteilung vorsieht. Die ersten vier Teams kämpfen in den Meister-Play-offs um den Titel, die Plätze fünf bis acht spielen um Rang fünf, die Mannschaften auf den Rängen neun bis zwölf müssen in die Play-downs. „Da können zum entscheidenden Zeitpunkt ein oder zwei Verletzungen schon großen Einfluss darauf haben, wo man am Ende landet“, sagt Bötel.
Der Anspruch ist dennoch klar: möglichst viele Punkte sammeln und auch die Topteams ärgern. „Wir wollen demütig bleiben. Aber wenn wir uns gut präsentieren, können wir jedem Gegner Probleme bereiten. Das haben wir in der Vergangenheit bewiesen, und das wollen wir auch in dieser Saison wieder schaffen.“ Insgesamt erwartet der Trainer erneut eine ausgeglichene Bundesliga. Dortmund, Blomberg und Thüringen sieht er zunächst in der Spitzengruppe. Dahinter erwartet er ein großes Gedränge: „Von Platz vier bis zehn oder elf kann es sehr eng werden.“ Umso wichtiger sei es, nach dem Verletzungspech der Vorbereitung möglichst vollständig durch die Saison zu kommen.
Auftakt in Zwickau: Viele Fragezeichen auf beiden Seiten
Zum Auftakt wartet am Sonntag um 16 Uhr beim BSV Sachsen Zwickau direkt eine anspruchsvolle Auswärtsaufgabe. Schon vor einem Jahr trafen beide Teams zum Saisonstart aufeinander – damals mit dem besseren Ende für Gastgeber Oldenburg (28:23).
Zwickau hat seinen Kader im Sommer ebenfalls deutlich verändert. Für Bötel ist deshalb noch schwer einzuschätzen, welches Gesicht die Sachsen zum Bundesliga-Auftakt zeigen werden. Eine wichtige Rolle könnte der Einsatz von Silje Brøns Petersen spielen. Diese fehlte zuletzt beim Pokalspiel der Zwickauerinnen bei Zweitligist HL Buchholz-Rosengarten. Hier setzte sich der BSV, bei dem Ex-Oldenburgerin Alexandra Humpert nun zwischen den Pfosten steht, knapp mit 34:33 durch. Einen Vorteil für Oldenburg sieht Bötel darin nicht unbedingt. „Mir wäre wahrscheinlich lieber gewesen, sie hätten mit vier oder sechs Toren gewonnen. So ein enges Spiel hat sie gewarnt und gezeigt, woran sie noch arbeiten müssen.“
Auch offensiv erwartet Bötel einen variablen Gegner. Zwickau habe bereits unterschiedliche taktische Varianten ausprobiert. Besonderes Augenmerk gilt dabei unter anderem Neuzugang Nina Ramusović im Rückraum. „Sie müssen wir in Schach halten. Insgesamt steckt in dieser Mannschaft definitiv viel Potenzial.“ Oldenburg will dem mit dem begegnen, was in der Vorbereitung intensiv trainiert wurde: Tempo. Weil die Abstimmung in der Defensive aufgrund der vielen Ausfälle noch nicht auf dem gewünschten Niveau sein kann, soll vor allem das schnelle Spiel nach vorne helfen. „Wir wollen unser schnelles Spiel zum Saisonstart direkt umsetzen“, sagt Bötel. „Das, was uns in der Abwehr noch etwas an Eingespieltheit fehlt, wollen wir mit Schnelligkeit und Effektivität im Angriff auffangen.“
