WM in Oldenburg: Vier Teams kämpfen um noch drei Plätze

Team Japan (Foto: Verband)

Am dritten von fünf Spieltagen in der WM-Gruppe C hat Oldenburg die nächste große Überraschung erlebt: Gegen das in den ersten Partien überzeugende Montenegro feierte Japan mit einem 29:28 (15:12)-Erfolg einen seiner größten Erfolge seiner WM-Geschichte. In Spiel 2 feierte Russland seinen dritten klaren Sieg im dritten Spiel und hat damit bereits das Achtelfinale erreicht: 24:16 (14:7) gegen Brasilien. Auch Dänemark bestätigte seine Favoritenrolle gegen Tunesien und setzte sich 37:19 (15:6) durch.

Vor allem der Sieg Japans hat die Gruppe C enorm spannend gemacht. Russland scheint unaufhaltsam auf Rang 1 zuzusteuern, Tunesien steht noch ohne Punkt da. Aber dahinter kann sich niemand sicher zu sein, nicht noch das Achtelfinale zu verfehlen: Montenegro steht bei 2:4 Punkten unter Druck, Brasilien (3:3) braucht mindestens noch einen Sieg in den letzten beiden Partien gegen Dänemark (morgen, Mittwoch, 6.12.) und Montenegro (8.12.). Selbst Dänemark (4:2) ist bei seinen schwierigen ausstehenden Begegnungen mit Brasilien und Russland (8.12.) noch nicht durch. Japan hätte im Falle eines Sieges gegen das punktlose Tunesien am Freitag mindestens fünf Punkte auf dem Konto und würde damit aller Voraussicht nach in die zweite Runde einziehen.

Oldenburg feiert Japan

Im Vorfeld hatte damit kaum jemand gerechnet: Oldenburg feiert Japan, die große Überraschung der Gruppe C. Brasilien hatte das Team des dänischen Trainers bereits an den Rand einer Niederlage gebracht, gegen Montenegro reichte die sichtlich schwer zu bespielende Mischung aus Kampf und Leidenschaft, schnellem, trickreichen Angriffsspiel und einer enorm variabel agierenden, teilweise höchst offensiv aufgestellten Abwehr. Montenegro – immerhin Dänemark-Bezwinger – führte früh und lange, konnte sich aber nie um mehr als vier Tore absetzen. Kurz vor Schluss durchbrach Yokoshima Aya die montenegrinische Deckung und traf zum entscheidenden 29:28. Auf der Gegenseite fing Top-Torjägerin Ikehara Ayaka (9 Treffer) den letzten Angriff Montenegros ab – dann flossen Freudentränen.

Montenegro ist noch nicht raus, aber „jetzt stehen wir stark unter Druck“, gestand Coach Per Johansson. „Jetzt müssen wir gegen Tunesien und Brasilien gewinnen.“ Beste Werferin ihres Teams war einmal mehr Rechtsaußen Jovanka Radicevic, die nach der Partie von Mitspielerin zu Mitspielerin ging, aufmunternde Worte fand und deren Reaktion ausdrückte, dass sich der Europameister von 2012 keineswegs aufgeben will.

Russland untermauert Favoritenrolle

Russland fand seinen Schlüssel zum Sieg bereits zu Beginn: 5:1 nach sechs Minuten, 8:2 nach elf. Hinter der gut funktionierenden russischen Abwehr agierte die überragende Torhüterin Elena Utkina. 16 Gegentore: „Geht es noch besser?“ wurde Coach Evgenii Trefilov gefragt: „16 sind schon gut. Wir haben Brasilien aber ein paar Möglichkeiten zu viel gelassen. Wir sind nicht völlig zufrieden.“ So spricht ein Titelfavorit.

Deutlich dann auch der dänische Sieg. „Ja, wir sind im Turnier angekommen“, sagte Trainer Klaavs Bruun Jörgensen und sprach dann den guten tunesischen Auftritt am Sonntag gegen Brasilien (22:23 nach langer Führung) an. „Wir hatten großen Respekt vor der Leistung Tunesiens gegen Brasilien. Aber wir waren vorbereitet und haben kaum eine Chance weggegeben. Dieser Sieg gibt uns etwas mehr Sicherheit für die kommenden Aufgaben.“

Für Tunesien äußerte sich der Technische Direktor des Verbands, Yassine Arfar: „Wir sind hier, um ein neues Team aufzubauen. Dafür benötigen wir Zeit, und dieses Turnier ist wichtig, um nach und nach ein höheres Niveau zu erreichen.“ Die Halblinke Ines Khouildi bedauerte die hohe Niederlage. Das Team setze sich aber immer noch Ziele: „Wir werden weiter arbeiten und hoffentlich noch für Überraschungen sorgen.“

1103 Karten wurden für das erste Spiel verkauft, das wegen der Zeitverschiebung und einer TV-Übertragung in Japan bereits um 12 Uhr angeworfen wurde. Zum im Block angebotenen zweiten und dritten Spiel kamen 1812 Besucher, zusammengenommen also 2915 zahlende Zuschauer.

Am Mittwoch, 6.12., geht es mit den Partien Russland gegen Japan (14 Uhr), Tunesien gegen Montenegro (17.45 Uhr) und Brasilien gegen Dänemark (20.30 Uhr) weiter.

Karten sind an der Tageskasse, unter dhb.de oder über CTS Eventim erhältlich.

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Ergebnisse, Tabellen, Infos: dhb.de

 


Ole Rosenbohm - WM-LOK Oldenburg - 05.12.2017